über mich

ich kann mich nicht in ein paar worten zusammenfassen 😉 deswegen ist hier eine kleine geschichte über mich, entstanden in einer schreibwerkstatt.

Die Literatur und ich

„Mama, was machst du da?“, fragt mich mein Großer, sechs Jahre alt und interessiert an allem, was ich mache. Mit seinen großen blauen Augen mustert er meine Notizzettel und dann den PC-Bildschirm.
„Schatz, Mama braucht mal eine halbe Stunde für sich“, sage ich, gebe ihm einen Kuss auf die Stirn und schiebe ihn sanft aus dem Zimmer.
„Ooookay“, höre ich, als ich die Tür schließe. Zurück am Schreibtisch lese ich die Worte, die in der neuen Word-Datei geschrieben stehen: „Warum schreibe ich?“ Ich überlege kurz und dann gleiten meine Finger über die Tastatur.

Von frühester Kindheit an bin ich umgeben von Büchern, weil meine Mutter von Beruf Buchhändlerin ist. Seit ich lesen kann, las ich so oft ich konnte. Ich war und bin fasziniert von Worten und was für Bilder sie zeichnen, welche Gedanken sie zeigen, welche Meinung sie hinterlassen. Das wollte ich auch können. Also begann ich meine ersten Versuche mit dem klassischen Tagebuchschreiben. Danach folgten kleine Gedichte und Geschichten. Insgeheim hatte ich schon damals den Wunsch, irgendetwas mit Literatur zu machen, vielleicht sogar in ganz entfernter Zukunft Schriftstellerin zu werden. Und noch immer trage ich diesen Traum tief in meinem Herzen.

Durch Zufall hatte ich damals von der Schule des Schreibens gelesen und mich angemeldet, beendete aber nie den Lehrgang, weil ich mich auf das konzentrierte, was man vernünftigerweise als junger Mensch macht: Zuerst das Abitur und dann, obwohl ich lieber studieren wollte, aber dafür fehlte das Geld, eine Berufsausbildung zur Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellten. Bald nach Ausbildungsbeginn führte ich meinen eigenen Haushalt und übernahm Verantwortung. Das Schreiben verkümmerte zur Nebensache, wie auch das Lesen.

Kurz nachdem ich meine Ausbildung beendet hatte, wusste ich, dass ich nicht den Rest meines Arbeitslebens in meinem erlernten Beruf verbringen möchte. Ich wollte etwas anderes ausprobieren. Was dieses andere war, war mir klar, aber ich traute mich nicht, meinen Traum in die Tat umzusetzen.

Dann wurde ich Mama und meine Kinder zeigten mir, dass das Leben mehr bietet, als morgens aufzustehen und ins Büro zu fahren. Nachdem mein Jüngster geboren wurde, meldete ich mich für einen Online-Schreibkurs an und prompt wurde eine meiner Geschichten, eine Weihnachtsgeschichte mit dem Titel „Drei kleine Instrumente“, im Internet veröffentlicht. Außerdem traute ich mich, an einem Literaturwettbewerb teilzunehmen. Meine Geschichte „Hoffnung“ war leider nicht unter den Platzierten, aber immer wenn ich sie und „Drei kleine Instrumente“ lese, erfüllt mich leiser Stolz darüber, mitgemacht zu haben.

Einmal fragte mich mein Großer, warum ich nicht das tue, was mir Spaß macht. Er hatte Recht. Einer der Online-Schreibkurse war literaturwissenschaftlich aufgebaut, d. h. dass die einzelnen Literaturepochen dargestellt wurden und zu jeder Epoche eine Geschichte zu entwickeln war. Bei diesem Kurs flackerte meine Leidenschaft für Literatur wieder auf. Schon in der Schule habe ich gerne die Bücher gelesen, die gelesen werden mussten, und andere Klassiker, die nicht gelesen werden mussten, habe gerne Texte analysiert, darüber Aufsätze geschrieben und mich mit den Gedanken der Schriftsteller auseinandergesetzt. Auch kann ich nicht nur ein Buch, eine Geschichte lesen. Mich interessiert das Drumherum, in welcher Zeit ist die Geschichte entstanden, wer ist der Schriftsteller, wie bringt er seine Worte zu Papier, was möchte er mitteilen.

Nach einer langen Zeit des Überlegens traf ich die Entscheidung, meinen Traum zu verwirklichen und schrieb mich an der FernUniversität in Hagen als Vollzeitstudentin ein. Jetzt studiere ich Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Literaturwissenschaften und kann mir nichts Besseres vorstellen. Ich schreibe und lese den ganzen Tag. Nebenbei bin ich selbständig als Dozentin für die Literaturinitiative und die Schülerhilfe und als unabhängige Demonstratorin für die Firma Stampin‘ Up! tätig und gebe Bastelkurse für Kinder und Erwachsene.

Aber warum schreibe ich nun? Es ist der Reiz, in andere Figuren und Welten einzutauchen, aus einer kleinen Notiz in der Zeitung oder aus einer kleinen Begebenheit auf der Bahnfahrt eine Geschichte zu weben. Es macht mir einfach Spaß, zu schreiben und zu lesen, und den möchte ich mit anderen teilen.

Meine Hände halten inne, ich lehne mich im Drehstuhl zurück und überfliege die Zeilen.
Plötzlich öffnet sich die Tür wie von Geisterhand. „Meine Mama“, ruft mein Jüngster, stürmt auf mich zu und klatscht mir seinen Kuschelesel ins Gesicht. Ich setze ihn auf meinen Schoß und sofort wandern seine kleinen Finger zu den bunten Klebezetteln, die sich bald in Papierkügelchen verwandeln.
„Dürfen wir reinkommen?“ Mein Mann und mein Großer kommen dazu. Meine Familie, meine andere Leidenschaft, hat mich wieder.

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9 Gedanken zu „über mich

  1. kinderunlimited

    Toll, dass du meinen Blog gefunden hast, so konnte ich deinen finden 🙂 Ich bin zwar bastelmässig zurückgeblieben, aber die Hoffnung stirbt zuletzt ;-)…und du hast ja noch mehr zu bieten 🙂

    Antwort
    1. kimi Autor

      ich freu mich, dass du mir folgst 🙂 nachbasteln ist kein muss, du kannst auch einfach nur gucken und dich dran erfreuen 🙂
      liebe grüße, kimi

      Antwort
      1. kinderunlimited

        mach ich……;-) ich freu mich auf Deine Geschichten in einem ruhigen Moment 😉

    1. kimi Autor

      liebe ulrike,
      vielen dank für deine lieben worte und deinen besuch bei mir, darüber freue ich mich sehr 🙂
      deine rezi zum buch habe ich grade gelesen und es sofort auf meine leseliste gesetzt. das muss ich haben.
      liebe grüße, kimi 🙂

      Antwort

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