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schreiben: six word story #14

six word story #14 zum stichpunkt „the queen“ – diese six word story widmet sich lady di, der königin der herzen.

six word story #14 - the queen

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schreiben: kurzgeschichte „köstliches bier“

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Köstliches Bier

Dong! „Bürger von Nawen[1]!“ Dong!
Anna fiel der Löffel aus der Hand, fast hätte sie die Möhrensuppe verschüttet. Sie sprang vom Mittagstisch auf, nahm ihre schlummernde Tochter aus der hölzernen Wiege und trat auf die Straße hinaus.
Dong! „Dietrich von Quitzow ist im Anmarsch!“, verkündete Jackob, der Wachmann. Dong! „Er ist auf Rachefeldzug gegen den Grafen, weil dieser seine Friesacker Stammburg erobert hatte und er fliehen musste.“
Ein Aufschrei entglitt der kleinen Menschentraube, die sich um den Wachmann versammelt hatte. Anna drückte ihr Baby fester an sich.
„Der Jägersmann ist Quitzow im Wald begegnet. Er befahl ihm, herzulaufen und zu verkünden, dass er da wäre, um mit der Stadt feindlich zu verfahren.“
Lähmendes Schweigen machte sich breit.
„Der Jäger rannte die Strecke von anderthalb Stunden Fußmarsch in einer halben und brach, nachdem er mir alles mitgeteilt hatte, fast zusammen.“
Anna sah ihre Tochter an. Wie sollen wir Nawen schützen, wo alle, einschließlich meines Mannes, auf den Feldern waren und die Ernte einholten?
„Ich brachte ihn in die Schenke und flößte ihm etwas Bier ein“, unterbrach Jackobs Stimme ihre Gedanken. Bei dem Wort Schenke fiel ihr etwas ein. Sie blickte himmelwärts in die gleißende Sonne und fragte: „Sagt, habt Ihr gesehen, ob der Wirt das alte Fass Ziesenille[2] noch hat?“ Sofort spürte sie die bohrenden Blicke der anderen. Sie war zwar geachtet, doch seit sie aus tiefer Zuneigung einen niederen Ackerbürger ehelichte, litt ihr Einfluss.
„Ja, es ist noch da.“ Jackob kniff seine Augen zusammen. „Was hast du vor, Weib? Sprich!“
Sollte sie es wagen? Ihr aller Leben stand auf dem Spiel! Jackob konnte ihr nichts anhaben, weil sie immer noch die Tochter eines Verbündeten des Grafen war. „Es würde zu lange dauern, Euch alles zu erklären“, antwortete sie hastig. „Lauft zu den Feldern und holt -“
„Quitzow und seine Mannen reiten dem Mühlentore entgegen!“, schrie plötzlich ein rotbackiger Junge.
„Beeilt Euch!“, herrschte sie den Wachmann an, küsste ihr Töchterchen und gab sie in die Hände der alten Ursel. Mit einer Kopfbewegung wies sie Ursel an, Jackob und den anderen Männern zu folgen. Niemand widersprach ihr. Dann eilte sie zur Schenke und hievte mit dem erholten Jäger das Bierfass auf einen Karren. Gemeinsam zogen sie es zum Mühlentor.

„Oh, was für eine liebreizende Gestalt“, dröhnte es hinter der schwarzen Maske. Der Ritter stieg von seinem Rappen und kam auf Anna zu. Er entledigte sich seines Helmes, und sie gewahrte ein Flackern in seinen Augen, wie sie es nur von ihrem Mann kannte, wenn sie als Eheleute zusammenkamen. „Was bringt Ihr mir? Ein Fass Bier! Bei der Hitze dürstest es mich schon lange!“
Sie glaubte, die anderen würden ihren Herzschlag hören, so sehr versetzte sie der Anblick in Aufregung. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Stumm und mit zitternder Hand tauchte sie einen Holzbecher in das Fass.
„Gebt schon her!“ Quitzows Hand schnappte zu wie eine Bärenfalle und zog sie an sich. Beißender Geruch von Männerschweiß schlug ihr entgegen. Sie schluckte und unterdrückte so den aufkommenden Ekel.
„Vor der Plünderung mit einem schönen Weib saufen, das lob ich mir! Was für einfältige Leute Ihr seid!“, höhnte er. Zügig leerte er den Becher und füllte ihn sogleich. „Köstlich!“ Raues Gelächter seiner Mannen folgte. Mit einem Nicken gab er das Fass für sie frei.
Ich tue dies alles nur für Ella!, betete Anna in Gedanken. Sein gieriger, nach Bier stinkender Mund steuerte auf ihren zu. Sie presste die Lippen aufeinander und wand sich wie ein Wiesel in seiner eisernen Umarmung.
Die Sonnenstrahlen prasselten gnadenlos auf die Ritter, Anna und den Jäger hernieder. Die Lüsternheit in Quitzows Augen wandelte sich in Betrunkenheit. Endlich! Sein Arm, mit dem er Anna an sich hielt, fiel herab und sie befreite sich. Seine Männer fingen ebenso an zu wanken.
„Kommt“, flüsterte sie dem Jäger zu. Sie versteckten sich im Gebüsch an der Stadtmauer.
Nach einer Weile lugte Anna hervor und fing an zu kichern. Die gefürchteten Raubritter lagen wie erlegte Wildschweine auf der staubigen Erde und kämpften mit dem Schlaf.
„Los“, raunte sie ihrem Begleiter zu und zeigte auf die Seile, die am Gürtel des Jägers festgemacht waren.
Während sie Quitzow fesselten, fragte der Jäger: „Was gabt Ihr ihnen zu trinken?“
„Unser schlechtestes Bier.“
Er runzelte die Stirn.
„Kennt Ihr nicht den Spruch: Ziesenille, wer’s trinkt, ist drei Tage stille?“, fragte Anna.

© Kimi Höpfner

 

[1] „Nawen“ ist ein alter Name für die Stadt Nauen (vgl. Nauener Heimatblätter, Heft 1/95)

[2] „Ziesenille“ hieß das Nauener Bier (vgl. Martina al Diban: In Nauen durch die Jahrhunderte, 1995)

schreiben: six-word-story #5

six-word-story #5 für die challenge auf instagram. das stichwort war “about a boy”.

DSCI2037was die challenge auf instagram ist, habe ich in diesem beitrag erzählt.