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schreiben: wieder eine veröffentlichung!!

ich hab lange nichts von mir hören lassen, weil ich in den letzten wochen mit meinem studium sehr eingespannt war. außerdem habe ich das bulletjournaling für mich entdeckt und treibe mich daher viel auf instagram herum, wo ich regelmäßig bilder aus meinem bulletjournal veröffentliche und mich von anderen bulletjournalists inspirieren lasse. wer wissen möchte, wie so ein bulletjournal aussieht, kann mich gerne auf instagram unter @kitoremi besuchen.

aber heute geht es nicht um mein bulletjournal, sondern um aufregende neuigkeiten 🙂 denn ich hatte heute post vom rowohlt verlag im briefkasten. ich hatte bei einer ausschreibung für eine weihnachtsanthologie mitgemacht und nicht mehr damit gerechnet, dass meine geschichte genommen wird. und dann flatterte heute dieser brief mit den vertragsunterlagen ins haus. meine geschichte hat es tatsächlich in die anthologie geschafft – juhuuu!!! ich bin so aufgeregt und kann es immer noch nicht glauben 🎉🎈 ich stoß dann mal mit euch virtuell an 🍸🍸

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schreiben: „die äpfel“ teil 2

hier ist der zweite und letzte teil meiner kurzgeschichte „die äpfel“. viel spaß beim lesen 🙂

den ersten teil findet ihr hier.

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Die Äpfel

„Das bist du als Baby auf dem Arm deines Vaters“, kommentiert Felix das erste Foto.
„Es wurde am 01.07.1973 vor unserem eigenen Laden aufgenommen“, erzählt Opa Karl. „Es war der Eröffnungstag des Ladens. Mein Vater war einer der ersten Obstbauern, die direkt vom Hof aus verkauften, sehr zum Ärgernis der Händler. Die prophezeiten uns ein baldiges Ende. Aber sie irrten.“ Er lächelt, weil er an die Wutfalten auf den Stirnen der Kaufleute und die unbekümmerte Stimmung seines Vaters denkt. Sein Vater glaubte an sein Projekt und ließ sich von niemandem davon abbringen.
Felix blättert weiter, das Pergamentpapier zwischen den Albumseiten knistert. „Und hier bist du als kleiner Junge mit Basecap“, sagt er und tippt auf das Foto.
„Ich erinnere mich genau an diesen Tag“, beginnt Opa Karl zu erzählen. „Mein Vater hatte eine neue Apfelsorte gezüchtet und ich durfte den ersten Apfel probieren. Der Apfel duftete. Ich biss in die knackige Schale und ließ den Fruchtsaft in meinen Mund laufen. Er war himmlisch süß.“ Opa Karl nimmt das Album und streicht über das Foto. „Diese Äpfel waren der Verkaufsrenner. Die Leute rissen sie uns von den Bäumen. Mit ihnen begann unser Aufstieg.“ Er holt tief Luft. „Aber das alles ist längst vorbei. Wir haben das Jahr 2047 und die Welt hat sich verändert.“ Er schlägt das Album zu. Dabei fällt ein Zeitungsartikel heraus und landet auf dem Rasen. Felix hebt ihn auf und liest die Überschrift laut vor: „Rätselhaftes Bienensterben legt Landwirtschaft lahm.“
Opa Karl sieht zu dem Korb am Ende des Tisches. „Und jetzt hat dein Vater eine neue Apfelsorte gezüchtet, ohne Bienen, durch künstliche Befruchtung, in-vitro oder wie das heißt.“ Er schüttelt den Kopf.
„Aber das ist doch super“, entgegnet sein Enkel und zieht den Korb heran. „Endlich können wir wieder richtige Äpfel essen. Also, ich habe die eingelegten Apfelstückchen satt. Und vielleicht gelingt es Papa, noch andere Obstarten zu züchten.“ Er nimmt einen Apfel, wirft ihn hoch, fängt ihn und schnuppert dran.
„Ich kann mich mit diesen künstlichen Äpfeln nicht anfreunden. Für mich sind sie unecht“, sagt Opa Karl und legt den Zeitungsartikel zurück in das Album. Wie kann der Junge nur so optimistisch sein, fragt er sich. Er weiß doch nicht, ob diese Äpfel überhaupt gesund sind.
„Ach, Opa. In jeder Veränderung steckt die Chance auf was Neues, Besseres“, tröstet sein Enkel. „Denk doch nur an Uropa und seinen Verkaufsladen.“ Felix wirft den Apfel wieder in die Luft. „Ich könnte sofort reinbeißen.“
Die unbekümmerte Art seines Enkels erinnert Opa Karl an seinen eigenen Vater. „Dann mach es doch“, fordert er Felix auf.
Felix lässt sich nicht zweimal bitten und beißt hinein. „Köstlich“, stellt er schmatzend fest und reicht den Apfel an seinen Opa weiter.
Der Apfel duftet in Opa Karls Hand, wie damals, als er ein kleiner Junge war. Auf einmal sieht er seinen Vater vor sich, wie er ihm aufmunternd zunickt. Opa Karl beißt in die knackige Schale und lässt den Fruchtsaft in seinen Mund laufen. „Er schmeckt himmlisch süß“, sagt er und lächelt.

© Kim Höpfner

schreiben: „die äpfel“ teil 1

heute gibt es mal wieder was kreatives mit worten, nämlich den ersten teil meiner kurzgeschichte „die äpfel“. ich wünsche euch viel spaß beim lesen 🙂

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Die Äpfel

Wo bleibt nur Felix? Opa Karl blickt auf seine Uhr und dann zum Hoftor. Er sitzt auf einer alten Holzbank unter einem Baum, der früher ein Kastanienbaum war und heute nur noch grüne Blätter trägt. Vor ihm auf dem Tisch steht ein mit rotbackigen Äpfeln gefüllter Korb, neben ihm auf der Bank liegt sein Familienfotoalbum, dessen Aufdruck ausgeblichen und Ränder ausgefranst sind. Apfelduft umschmeichelt seine Nase. Er schiebt den Korb von sich weg und streicht mit der Hand über das Album.
Die Strahlen der Abendsonne ergießen sich über den Bauernhof, ziehen bis zum Kastanienbaum und lassen die Äpfel im Korb wie Heilige erstrahlen. Das mag Opa Karl nicht sehen, er steht auf und schlurft zum Hoftor. Während er auf seinen Enkel wartet, streift sein Blick über das Gehöft.
Wie sehr sich alles verändert hat. Es gibt keine Rosen, keine Dahlien, keine Astern, keine Gurken, keine Tomaten, keine Birnen mehr. Überall nur grün: hellgrün, dunkelgrün, flaschengrün, apfelgrün, manchmal mit zarten, manchmal mit dicken braunen Strichen durchzogen. Die Felder, auf denen einst Pflaumenbäume, Kirschbäume, Apfelbäume, Johannisbeersträucher, Himbeersträucher standen, sind Wiesen geworden. Eine Träne schleicht sich in sein Auge, mit dem Ärmel wischt er sie weg.
„Hallo Opa“, ruft ihm Felix zu und stoppt sein Fahrrad vor dem Hoftor, so dass ein paar Kieselsteinchen aufspringen. „Haste dich schon gegruselt so ganz allein? Ich musste leider länger arbeiten.“
„Mach dich nur lustig über deinen alten Opa“, brummelt Opa Karl und schlurft zum Tisch zurück. Du weißt ja gar nicht, wie Recht du hast, denkt er. Schon seit Stunden sind sein Sohn und seine Schwiegertochter weg, um bei irgendwelchen wichtigen Leuten ihre Erfolge in der Apfelzucht anzupreisen. Und er ist hier allein mit den verführerisch duftenden, aber künstlichen Äpfeln, die ihm Angst machen, weil sie auf eine Art und Weise entstanden sind, die er nicht versteht und der er nicht vertraut.
„War doch nicht so gemeint, das weißt du doch.“ Felix geht zum Schuppen, stellt sein Rad ab und geht zu seinem Opa hinüber.
„Hast du schon gekostet?“, fragt Felix und zeigt auf den Korb.
Opa Karl sieht seinen Enkel und dann den Korb an. „Nein“, antwortet er.
„Und warum nicht?“ Felix wendet sich dem Korb zu und atmet tief ein. „Oh, wie die duften!“
„Ich weiß“, sagt Opa Karl. „Ich rieche sie schon die ganze Zeit.“
„Und das hältst du aus?“
„Ja.“ Opa Karls Augen werden feucht, er umklammert das Fotoalbum.
Felix sieht das und fragt: „Wollen wir uns die alten Bilder angucken?“ Er setzt sich neben seinen Opa, nimmt das Album und schlägt es auf.

© Kim Höpfner